Herkunft kann man nicht vergessen oder wegschieben

Eigentlich wollte ich meinen nächsten Beitrag den wunderschönen Orten in Norditalien und der Schweiz widmen, aber mein Frühling wurde unerwartet durch meine Herkunft überwältigend geprägt.

Zum Einen bin ich voll stolz, Teil des Teams von Gelblau geworden zu sein – eines Magazins, dessen Pilotausgabe #0 am 01. Mai von Ukrainer in Stuttgart e. V. herausgegeben wurde. Die Idee, die am Anfang als kleines einmaliges Ostern-Prospekt geboren wurde, hat sich zu einem Projekt der Herzensangelegenheit entwickelt. Das Ergebnis ist ein hartes Stück der ehrenamtlichen Arbeit von jungen talentierten Ukrainiern und lässt sich unter http://gelblau.com herunterladen (vorausgesetzt ihr könnt Ukrainisch) 😉  Das Team arbeitet bereits an der nächsten, der 1. Ausgabe, in welche wir die bisherige Erfahrung einfließen lassen möchten. Dazu gehört auch mehr Content in der deutschen Sprache, worauf wir uns jetzt schon freuen. Geplant ist die Erscheinung der nächsten Ausgabe zum 01. August 2016.

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Die Pilotausgabe von Gelblau hat die Welt am 01. Mai erblickt. Foto by A. Vlasenko

Zum Anderen fühle ich mich zum Teil sogar verpflichtet, mein persönliches Statement zum Sieg der Ukraine bei dem diesjährigen Eurovision Song Contest in Stockholm abzugeben. Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse werden die Medien von den Schlagzeilen wie „Wie polisch darf ESC sein?“ überfüllt.

Als eine Dokumentation über die Insel Lampedusa im Februar dieses Jahres den goldenen Bären bei der Berlinale erhalten hat, hielt sich das öffentliche Geschrei mehr als in Grenzen. Unter dem Strich hieß es, dass die politische und gesellschaftliche Lage heutzutage im Alltag der Menschen in Europa so präsent ist, dass man es nicht ignorieren darf. Frankreich, dessen Werk „L’avenir“ den zweiten Platz belegt hat, wollte meines Wissens das Ergebnis auch nicht anfechten.

Dieses Jahr war der ESC tatsächlich etwas strange. Ich verstehe nicht, wieso Polen mehr Punkte bekommen hat, als Deutschland. Ich verstehe nicht, wie Sweden mit einem Plagiat-Song den 5. Platz belegt hat. Aber ich verstehe, warum ausgerechnet die Ukraine gewonnen hat.

Als jemand, der – ich betone es nun mal wieder – eine musikalische Ausbildung hat, finde ich, dass Jamala einen soliden, respektablen Auftritt hingelegt hat, der sich von den anderen definitiv unterschieden hat. Anders, als der Rest, war auch Ruslana, die in Istambul 2004 sogar die Bühne bei den Proben kaputt getanzt hat.  Anders war Lena, die durch ihre einfache unschuldige Art, die Herzen erobert hat. Anders war Loreen, die zu ihrem Hit „Euphoria“ eine geile Tanzperformance mit den Kampfelementen lieferte. Vor dem Hintergrund anderer Teilnehmer war Jamala eben diejenige, die sowohl bei der Jury, als auch bei dem Publikum so gut punkten konnte, dass es für einen Sieg reichte.

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Bildquelle: Jamala (Facebook)

Den Auftritt des Favoriten fand ich – wie übrigens meine ukrainischen Freunde auch – ganz gut. Ein leichtes poppiges Lied, leicht zum Mitsingen, untermalt mit einer unglaublichen Bühnenshow. Das Lied war einfach in den ESC-Rahmen gesteckt und es war alles so perfekt, dass es mir fast zu steril und makellos war. Vielleicht war das das eine oder andere Special Effect zu viel, denn die Stimme fiel irgendwie in den Hintergrund.

Aber alles das hat aber Sergey Lazarev (deren Fan ich eigentlich seit seiner „Smash“-Zeiten bin) nicht daran gehindert, das Publikumsvoting zu gewinnen. Auch, wenn ich aufgrund des Krieges im ukrainischen Osten sowie der Krim-Annexion, unter keinen Umständen eine SMS für ihn geschickt hätte / habe, hat das ukrainische Publikum 12 Punkte an ihn vergeben. Und hoppla: Russlands Publikum hatte für Jamala ebenfalls 10 Punkte übrig – also, hat ebenfalls zu dem Sieg beigetragen, wofür ich mich bei allen Russen, die für sie angerufen oder SMS geschickt haben, bedanke. Und der Rest soll eben den russischen Sänger als Vorbild nehmen, was die Reaktion auf den ukrainischen Sieg betrifft. Er hat es super gemacht 😉

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Das nenne ich mal ehrenhaftes Verlieren. Respekt!

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